#Tipp – Gute Entscheidungen treffen, aber wie?

Wenn ich im Folgenden über Entscheidungen schreibe, dann meine ich damit nicht die alltäglichen Routinen und weniger wichtigen Entscheidungen, wie z.B. „Welches Essen soll ich heute kochen?“, sondern die wirklich wichtigen und großen Entscheidungen, wie z.B. „Welchen Beruf soll ich ergreifen?“ In diesem Beitrag geht es also um die bewussten Entscheidungen, die mehr oder weniger große Konsequenzen nach sich ziehen.

 

Um für sich selbst eine gute Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie wir überhaupt zu Entscheidungen kommen. Teilnehmer meiner Seminare sagen daraufhin, z.B. durch Bauchentscheidung, Abwägen von Pro und Contra, meine Freundin nach ihrer Meinung fragen, usw. Dabei fällt auf, dass die Mehrzahl – vorwiegend Männer – davon überzeugt ist, dass wir nach Abschätzung der Fakten, eine rationale Entscheidung treffen. Diesen Mythos muss ich gleich zu Beginn aus dem Weg räumen, denn die Entscheidung wird primär emotional getroffen und sekundär rational begründet. Das ist mittlerweile neuro-wissenschaftlich gut belegt. Demnach führt der Weg zu einer guten Entscheidung nicht über den Verstand, sondern über Emotionen.

Welches sind wohl die vorherrschenden Emotionen, wenn es um Entscheidungen geht? Angst und Freude, manchmal auch Wut oder Trauer. Um zu verstehen, wie wir selbst Entscheidungen treffen, sollten wir unsere emotionalen Zustände betrachten und verstehen.

Anhand eines Beispiels möchte ich dies verdeutlichen: Eine junge Frau steht nach dem Abitur vor der Entscheidung, studieren oder eine Ausbildung machen. Rationale Überlegungen gehen ihr durch den Kopf, wie z.B. welche Berufsperspektiven bieten sich mir nach Abschluss eines Studiums im Vergleich zur Ausbildung? Wo werde ich erfolgreicher sein? Wo werde ich mehr Geld verdienen? Muss ich in eine andere Stadt umziehen, oder kann ich zu Hause wohnen und pendeln? Und noch viele weitere Gedanken tauchen auf, die einem geistigen Abwägen von Pro und Contra entsprechen. Bereits hier kommen erste Emotionen ins Spiel, die letztlich den Gedankenstrom lenken. Wenn die junge Frau sich geistig in die Situation versetzt, z.B. in Heidelberg Medizin zu studieren, dann schwingen Emotionen, die mit dem Studienfach Medizin, mit dem Ort Heidelberg oder mit dem allgemeinen Thema „von zu Hause weggehen“ verbunden sind. Kann die junge Frau kaum erwarten, das Elternhaus zu verlassen, dann wird sehr wahrscheinlich Freude die verbundene Emotion sein und entsprechend „gut“ fühlt sich der Gedanke an. Nicht immer ist die Emotion und deren Verknüpfung so leicht zu identifizieren, weshalb es wichtig ist, sich selbst über Motive, Bedürfnisse, Glaubenssätze und gemachte Erfahrungen bewusst zu werden. Oftmals liegen die wahren Beweggründe in der Tiefe verborgen und wir brauchen Zeit, uns ehrlich und offen betrachten zu können. 

Nachdem wir nun den Gründen für unsere emotionalen Zustände auf die Spur gekommen sind, können wir dahinterstehende Muster erkennen und uns davon freimachen. Erst jetzt ist die Grundlage für eine gute Entscheidung gelegt, die nur im Rahmen von Freiheit gelingen kann.

Zur Veranschaulichung greife ich nochmals das Beispiel der jungen Frau auf. Nachdem ihr so manche Gedanken durch den Kopf gegangen sind, beschäftigen sie im Weiteren zwei davon: „Ich freue mich darauf endlich zu Hause auszuziehen, aber mit einem Studium kann ich mir das finanziell nicht leisten. Wenn ich aber eine Ausbildung beginne, wird mir mein Vater vorhalten, dass ich unter meinem Niveau zurückbliebe.“ Welche Emotion hat die größere Kraft? Die Freude nach der eigenen Freiheit oder die Angst vor dem Liebesentzug des Vaters?

Oft entscheiden sich Menschen der Angst den Vorzug zu geben, was bedeutet, die befürchteten Konsequenzen zu meiden, anstatt der Freude nachzugeben und dafür einen Preis zu bezahlen. Dabei vergessen sie, dass alles seinen Preis hat und dass sie möglicherweise einer Verzerrung zum Opfer gefallen sind, die den Schmerz eines Verlustes (Angst) höher bewertet als die Freude am Gewinn der Freiheit. Abgesehen von der Möglichkeit eine Alternative zu finden, die allen Bedürfnissen gerecht wird, empfehle ich hier die Konfrontation mit der Schlimmsten aller Konsequenzen und die Einschätzung, wie wahrscheinlich dieser Fall eintreten wird.

Als hilfreich hat sich auch folgender Satz bewährt: „Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“ „Geld“ kann hier durch jedes beliebige Hindernis (wie z.B. „Vater“) ersetzt werden. D.h. wenn du absolute Freiheit – ohne Einschränkungen hast – was würdest du wählen? Diese Frage eröffnet neue Räume, in denen du wiederum dieses konkrete Hindernis auf Vor- und Nachteile und auf die Möglichkeit, es zu reduzieren oder gar zu beseitigen, prüfen kannst. 

Fazit: Eine gute Entscheidung kannst du nur treffen, wenn du dir deiner Emotionen bewusst bist. Habe Mut, der Freude den Vorzug zu geben und lass dich von Ängsten nicht klein halten.